Innere Medizin

Im Oktober 2020 haben wir unser internistisches Angebot noch einmal erweitert. Mit Frau Dr. Rosa Barsnick, Fachtierärztin für Pferde und Innere Medizin der Pferde, bieten wir nun noch mehr Möglichkeiten in der stationären und mobilen internistischen Diagnostik, insbesondere die mobile Ultraschalldiagnostik für innere Organe und Kardiologie (Herzultraschall und EKG).

Herzerkrankungen (Kardiologie)

Für das Pferd als Sport- und Leistungstier ist ein gesundes Herz besonders wichtig. Wird vom Tierarzt ein Herzgeräusch festgestellt, bedeutet das aber nicht zwangsläufig, dass das Pferd nun nicht mehr geritten werden kann oder sofort Medikamente benötigt. Beim Pferd kommen durchaus Herzgeräusche vor, die keinen negativen Einfluss auf die Herzleistung haben. Um diese aber von pathologischen Herzgeräuschen zu unterscheiden, ist in der Regel eine Ultraschalluntersuchung durch einen speziell geschulten Tierarzt/Tierärztin notwendig, und es muss dafür ein passendes, leistungsstarkes Ultraschallgerät mit der richtigen Ausrüstung (EKG-Kabel, Dopplerfunktionen, etc.) bereitstehen.
Herzrhythmusstörungen hingegen sind meist nicht normal und es sollte möglichst schnell eine Diagnose gestellt werden. Eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen beim Pferd ist das Vorhofflimmern. Je schneller dieses behandelt wird, desto besser die Chance, dass das Pferd wieder einen normalen Herzrhythmus zurückerlangen kann. Für die Diagnose wird ein Elektrokardiogramm (EKG) benötigt, für die Einschätzung der Prognose sollte aber immer zusätzlich ein Herzultraschall durchgeführt werden, weil ausgeprägte Veränderungen am Herzen einen negativen Einfluss auf die Therapie haben können.

Unsere diplomierte Internistin Dr. Rosa Barsnick bietet diese Herzuntersuchungen in unserer Klinik oder nach individueller Absprache auch mobil bei Ihnen im Heimatstall an.

Atemwegserkrankungen

Husten ist beim Pferd ein häufiges und manchmal leidiges Thema. Die häufigsten Auslöser von Husten sind Infekte (viral und bakteriell) und Equines Asthma, früher als chronisch obstruktive Bronchitis (COB) bezeichnet. Für die Diagnose reicht es manchmal nicht aus, das Pferd abzuhören, und dann ist es sinnvoll, eine Endoskopie bzw. Bronchoskopie durchführen zu lassen. Hierbei können sowohl die oberen Atemwege (Rachen, Kehlkopf, Luftsäcke), als auch die unteren Atemwege (Bronchien, Lunge) beurteilt werden. Zur weiterführenden Diagnostik können gleichzeitig Proben genommen werden, wie z.B. ein Tracheobronchialsekret oder eine Broncho-alveoläre Lavage. In ganz speziellen Fällen kommen Ultraschall und Röntgen der Lunge zum Einsatz. Besonders bei hartnäckigem und/oder wiederkehrendem Husten empfehlen wir eine ausführliche Abklärung. Alle diese Untersuchungen bieten wir in der Klinik an, und nach individueller Absprache kann die Endoskopie/Bronchoskopie auch mobil bei Ihnen im Heimatstall durchgeführt werden.

BronchialaufzweigungLuftsack

Magen-Darm-Erkrankungen

Abgesehen von Koliken gibt es etliche andere Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Sehr häufig kommen beim Pferd Magengeschwüre vor, von denen man inzwischen weiß, dass es verschiedene Ausprägungen gibt, die sehr unterschiedlich auf Medikamente ansprechen. Typische Symptome bei Magenproblemen sind Gähnen, Flehmen, milde Koliken, Unterbrechung der Futteraufnahme, häufiges Liegen, Leistungsabfall oder Unrittigkeit, bis hin zum Gewichtsverlust. Um zwischen Magengeschwüren der kutanen Schleimhaut und Magengeschwüren der Drüsenschleimhaut zu unterscheiden, ist eine Magenspiegelung (Gastroskopie) notwendig. Diese kann in kurzer Standnarkose in wenigen Minuten leicht durchgeführt werden, wenn das Pferd vorher ca. 18 Stunden gehungert hat, damit der Magen vollständig entleert ist. Stellt man anhand der Gastroskopie die genaue Ausprägung und den Schweregrad der Magengeschwüre fest, lässt sich auch viel leichter der Therapieplan individuell erstellen.
Des Weiteren können Gewichtsverlust, wechselnder Appetit, wiederkehrende Koliken und wechselnde Kotkonsistenz ein Hinweis auf akute oder chronische Darmerkrankungen sein. Die Abklärung erfolgt in diesen Fällen nach Ausschluss eines Magenproblems durch die Beurteilung von Blutuntersuchungen, Kotprobe, Bauchultraschall und gegebenenfalls weiteren Tests wie Darmschleimhautbiopsien oder Absorptionstests.
Alle beschriebenen Untersuchungen bieten wir in unserer Klinik an. Magenspiegelungen und Bauchultraschall können nach individueller Absprache auch mobil bei Ihnen im Heimatstall durchgeführt werden.

gestaute Dünndarmschlingen bei KolikVerdickte Dickdarmwand im Ultraschall

Nieren- und Harnwegserkrankungen

Gestörtes Harnabsatzverhalten oder Blut im Urin kann das erste Symptom einer Blasenerkrankung (Blasenentzündung, Blasensteine) sein. Pferde, die Blasensteine entwickelt haben, haben oft auch eine zugrundeliegende Nierenerkrankung. Deshalb ist eine umfassende Untersuchung des gesamten Harnapparats sinnvoll, wenn das Pferd solche Anzeichen zeigt. Ein Nierenversagen hingegen äußert sich vorwiegend durch mangelnden Appetit und Gewichtsverlust, aber dann ist das Nierenversagen oft schon chronisch. Störungen der Nierenfunktion können bei Routineblutuntersuchungen frühzeitig erkannt werden. In der Klinik führen wir grundsätzlich einen Ultraschall beider Nieren durch, um u.a. Nierensteine zu identifizieren. Je nach Symptomatik werden zusätzlich eine Nierenfunktionsanalyse und gegebenenfalls eine Blasenspiegelung durchgeführt.

Nierenstein im Ultraschall

Muskelerkrankungen

Wiederkehrende Steifheit, Kreuzverschlag, Abbau der Muskulatur oder auch nur Leistungsschwäche können auf eine zugrundeliegende Muskelerkrankung hinweisen. Um einer sogenannten Myopathie auf den Grund zu gehen, sollten die Muskelwerte vor und nach Belastung getestet werden, sowie Vitamin E und Selenmangel ausgeschlossen werden. Weiterführende Untersuchungen beinhalten eine Muskelbiopsie in Kombination mit Gentests zur Untersuchung auf PSSM1, den PSSM2-Symptomkomplex, Maligne Hyperthermie, Recurrent Exertional Rhabdomyolysis, Myofibrilläre Myopathie und andere Myopathien.

Entnahme einer Muskelbiopsie

Neurologische Erkrankungen

Zu neurologischen Erkrankungen zählen sowohl klassische Ataxien (Koordinationsstörungen), als auch Gleichgewichtsstörungen, Paresen einzelner Nervengruppen (z.B. Fazialislähmung, d.h. einseitige Gesichtslähmung) oder Gehirnerkrankungen, die sich in Blindheit, Schluckbeschwerden, Apathie oder Kreisbewegungen äußern können. Bei der klinischen neurologischen Untersuchung wird festgestellt, welche Anteile des Gehirns oder Rückenmarks betroffen sind. Sind einzelne Nervenbahnen am Kopf betroffen, können eine endoskopische Untersuchung der Luftsäcke und Röntgenaufnahmen des Kopfes hilfreich für die Diagnosestellung sein. Bei Gehirnerkrankungen kann man eine Gehirnwasserentnahme (Liquorpunktion) durchführen, um die Ursache einzugrenzen. Bei Koordinationsstörungen (Ataxien) wird geschaut, ob es sich z.B. um eine Halswirbelsäulenerkrankung handelt, dann wäre das Röntgen der Halswirbelsäule angezeigt. Bei komplizierten Prozessen im Gehirn kann es sein, dass für eine Diagnosestellung eine Computertomografie oder Kernspintomografie notwendig sind, wir können Sie dann dahingehend beraten, was sinnvoll ist und Sie an eine Klinik mit passenden Gerätschaften überweisen.

Pferd mit Equine Motor Neuron Disease

Lebererkrankungen und Endokrinologie

Die Diagnostik von Lebererkrankungen stellt eine Herausforderung dar, weil erhöhte Leberwerte relativ häufig vorkommen und zunächst nicht viel über die Ursache der Lebererkrankung verraten. In manchen Fällen kann eine Erhöhung des GGT-Werts auch ganz harmlos sein. Um aber zu unterscheiden, ob es sich um eher harmlose oder eher ernstzunehmende Veränderungen handelt, erfordert eine Ultraschalluntersuchung und oft auch eine Leberbiopsie. Alle diese Untersuchungen bieten wir an und empfehlen wir, wenn die Werte sich nach Gabe von Leberschutzsupplementen nicht normalisieren.

Die häufigsten endokrinologischen Erkrankungen sind Equines Cushing (heutzutage PPID – Pituitary Pars Intermedia Disfunction – genannt) und Equines Metabolisches Syndrom.

Infektionskrankheiten

Unter Infektionskrankheiten versteht man alle Krankheiten, die durch Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten ausgelöst werden. Darunter gibt es ansteckende und nicht -ansteckende Krankheiten. Beispiele für ansteckende Krankheiten beim Pferd sind Herpes, Druse, Hautpilz. Zu den nicht-ansteckenden Infektionskrankheiten zählen Krankheiten, die nicht von Pferd zu Pferd, sondern von sogenannten Vektoren (z.B. Fliegen oder Zecken) übertragen werden, oder bei denen der Erreger im natürlichen Umfeld des Pferdes lebt und nur unter bestimmten Bedingungen die Krankheit auslöst. Hierzu gehören z.B. Luftsackmykose, Pleuropneumonie, Anaplasmose/Borreliose, u.a.

Wichtig ist, dass Fieber beim Pferd allein keinen Hinweis darauf gibt, ob das Pferd jetzt ansteckend ist, oder nicht. Daher sollte möglichst immer durch Tests versucht werden, herauszufinden, welche Erkrankung dahintersteckt. Sollte eine ansteckende Krankheit wie Druse diagnostiziert worden sein, sollten dringend Maßnahmen ergriffen werden, damit keine anderen Pferde angesteckt werden. Kliniken sind meist nur auf die Versorgung einzelner ansteckender Pferde eingerichtet, daher können in der Regel nur sehr kranke Pferde mit ansteckenden Infektionen betreut werden, eine längerfristige Quarantäne ist meist nicht möglich. Wir haben zur Zeit leider noch keine Isolationsstation, weshalb wir Pferde mit ansteckenden Erkrankungen nur im Heimatstall betreuen können, weil wir sonst die Gesundheit unserer anderen Klinikpatienten gefährden würden. Eine Isolationsstation ist jedoch bereits in Planung und wird voraussichtlich in 2021 fertiggestellt.

Tumorerkrankungen

Die Onkologie befasst sich mit Tumorerkrankungen und ist ein Teilgebiet sowohl der Inneren Medizin als auch der Chirurgie, je nach dem, ob eine operative Entfernung gut möglich ist oder nicht. In vielen Fällen kommt auch eine Kombination von Operation und medikamentöser Behandlung in Frage.

Die häufigsten Tumoren von Pferden sind das Lymphom (Lymphdrüsenkrebs), Sarkoide, Melanome und Plattenepithelkarzinome. Wir diagnostizieren und therapieren die verschiedenen Neoplasien nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Lymphome lassen sich oft gar nicht operieren, bei Melanomen, Plattenepithelkarzinomen und Sarkoiden kommt es sehr auf die Größe und Lokalisation an. Plattenepithelkarzinome sind sehr aggressiv und können Metastasen bilden (Tumorstreuung in innere Organe). Melanome sind als einzelne Hautknoten noch harmlos, können aber in großer Anzahl an verschiedenen Körperstellen (Kopf, Anus) entstehen und dort Probleme verursachen. Schimmel haben eine genetische Veranlagung, Melanome auszubilden. Equine Sarkoide bilden zwar keine Tumormetastasen, sind aber lokal manchmal sehr aggressiv und es gibt eine sehr hohe Rezidivrate, d.h. sie kommen nach Entfernung oder Behandlung an derselben Stelle häufig wieder.

Sie können uns für eine erste Vorbesprechung gerne Fotos von (Haut-) Tumoren bei Ihrem Pferd schicken, damit wir eine Behandlung planen können.

Hauterkrankungen

Dermatologische Fälle stellen oft eine Herausforderung dar. Juckreiz, Haarausfall, Pusteln, usw. können viele verschiedene Ursachen haben. Anhand des klinischen Erscheinungsbildes kann man oft schon eine gute Vermutung haben, z.B. bei Hautpilz oder Haarlingen. Ansonsten versuchen wir anhand von Hautgeschabseln, Abstrichen und Biopsien möglichst eine sichere Diagnose zu stellen und die richtige Therapie einzuleiten. Gerade bei Allergien und Autoimmunerkrankungen kann dies allerdings schwierig sein. Wir arbeiten deshalb mit erfahrenen Laboren zusammen.